„Du hast die Seifenblasen wirklich mitgebracht“, sagte Tom und blieb einen Schritt hinter Maja stehen.

„Ja“, antwortete sie. Ihre Stimme klang brüchig, als hätte sie einen Sprung. Sie hielt die kleine Plastikflasche fest umklammert, als könnte sie ihr Halt geben. „Ich wusste nicht, was man sonst … mitbringt.“. Sie ließ den Satz offen und sah auf den frischen Hügel Erde vor ihnen.

Tom nickte langsam. Der Friedhof war still, diese besondere Stille, die nicht beruhigt, sondern lauscht. In der Ferne klapperte eine Gießkanne, irgendwo rief eine Amsel. „Er hätte das gemocht.“, sagte Tom schließlich. „Wahrscheinlich hätte er gefragt, warum wir so ernst schauen.“.

Maja schraubte den Deckel ab. „Weißt du noch, wie er immer gesagt hat, Seifenblasen seien mutiger als wir?“.

Tom zog eine Augenbraue hoch. „Stimmt. Weil sie wissen, dass sie platzen, und trotzdem losfliegen.“.

„Damals habe ich gedacht, das sei nur so ein Spruch.“, sagte Maja.

Sie tauchte den Ring in die Lauge, zögerte kurz und blies dann vorsichtig.

Eine Seifenblase löste sich, schillernd und leicht, und schwebte zwischen ihnen. In ihrer Oberfläche spiegelten sich der graue Himmel und ihre Gesichter, verzerrt und doch erkennbar. Eine Blase trieb ein Stück weiter und platzte an einem Stein. Tom zuckte unwillkürlich zusammen.

„Tut das nicht weh?“, fragte er. „Jedes Mal?“.

Maja schüttelte den Kopf, langsam. „Es tut weh, ja. Aber nicht, weil sie platzt.“, sie holte tief Luft. „Es tut weh, weil wir geblieben sind.“.

Tom folgte der Blase mit den Augen. „Und jetzt? Ich weiß immer noch nicht, wie man weitermacht.“.

„Ich auch nicht“, sagte Maja. Sie blies eine zweite Blase.

Diese stieg höher, zitterte kurz im Wind und fing einen helleren Streifen Himmel ein.

„Aber vielleicht muss man das nicht wissen. Vielleicht reicht es, etwas Kleines zu tun. Winzige Dinge, die man aushält. Einen Schritt, einen Atemzug, eine Seifenblase.“.

Tom schwieg. Seine Hände steckten tief in den Taschen seines Mantels. „Und das nennst du Hoffnung?“.

Maja dachte einen Moment nach. „Vielleicht ist Hoffnung nicht, dass alles wieder gut wird“, sagte sie dann, „Vielleicht ist sie nur der Gedanke, dass trotzdem noch etwas Schönes möglich ist.“.

Die zweite Blase schwebte weiter als die Erste. Für einen Augenblick sah es aus, als trüge sie den Himmel in sich.

„Siehst du“, sagte Tom leise, „für einen Moment trägt sie alles.“.

Maja nickte. „Das reicht mir heute.“.

Sie bliesen noch ein paar Seifenblasen, ohne viel zu reden. Manche platzten sofort, andere hielten länger, als sie erwartet hatten. Als sie schließlich gingen, stellten sie die leere Flasche zwischen zwei Grabsteine. Über ihnen war der Himmel noch immer grau – aber zwischen den Wolken war Platz.

Für Maja und Tom sind die Seifenblasen in ihrer Trauer Hoffnungszeichen, aber auch die Erinnerung an Gespräche mit ihrem Verstorbenen.

Andere Trauernde berichten uns unter anderem von Schmetterlingen, Regenbögen, Sonnenuntergängen, Steinen in Herzform, Spinnen und Spinnennetzen, von der Nachbarin, die immer die Mülleimer mit an die Straße nimmt, der Karte zum Todestag, den Mitschüler:innen und Lehrkräften, die zur Trauerfeier kommen, einem Gebet, der Freundin, die den Reifenwechsel übernimmt, dem Fahrdienst zum Fußballtraining, dem Babysitterdienst, damit der verwitwete Vater an der Trauergruppe teilnehmen kann, von Arbeitgeber:innen, die den Hinterbliebenen das Gehalt der Verstorbenen noch einige Monate weiter auszahlen, von Menschen, die ein ehrlich gemeintes „Wie geht´s?“ aussprechen und sich auch Zeit für die Antwort nehmen, einem Blumenstrauß, vom Chor, der die Bewirtung beim Trauerkaffee übernimmt, der Einladung zu einer Tasse Tee, dem Kuchen, der sonntags vor der Türe steht - schon in der Zeit der Erkrankung, aber auch noch ein Jahr nach dem Tod, dem Freund, der das Schweigen aushält, dem Fotoalbum aus der KiTa, den Kolleg:innen, die dem pflegenden Papa ihre Überstunden schenken, damit dieser mehr Zeit für seine Familie zur Verfügung hat, dem Freundeskreis, der im Frühjahr den Garten auf Vordermann bringt, von Menschen, die dranbleiben und auch nach 20 Absagen die 21. Einladung aussprechen.

Und so können nicht nur wir ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden von Sternentraum Hoffnungszeichen setzen, sondern auch jede einzelne Person im Umfeld von Menschen, die trauern, Sie, du, ich, wir alle.

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Hoffnungszeichen – Hoffnungsworte

 Seifenblasen vor grüner Wiese

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